• Das Klabunt ist zu

    April 1st, 2014

    Am Sonntag war es also soweit, das Klabunt sagte tschö. Nach neun Jahren muß die Kultkneipe für etwas weichen, das die Frankfurter Neue Presse „Quartiersparkhaus mit Einkaufsmarkt und Wohnungen“ nennt. Investor Gaumer hingegen hält sich bedeckt was seine Pläne für das Gelände angeht und die Bauaufsicht spricht von 29 Wohneinheiten, einer großen Einzelhandelsfläche und einem Parkhaus. Wenn es irgendwas gibt, an dem in Bornheim kein Mangel herrscht, dann sind es Supermärkte, egal ob konventionell, bio oder vegan. In unmittelbarer Nähe der künftigen „Quartiersgarage“ finden sich allein derer drei. Was auch immer dort gebaut wird, es darf getrost mit dem Schlimmsten gerechnet werden.
    Seit zwei Jahren schon hing dieses Damoklesschwert über dem Lokal. Das Klabunt bewegte sich auf unsicherem Terrain, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen.
    Der Satirelandgasthof (Eigenbeschreibung) war mehr als eine Kneipe, er war eine kulturell-kulinarische Institution – bekannt weit über Frankfurts Grenzen hinaus – vielen auch Heimat und Wohnzimmer. Es gibt Menschen, die behaupten, alles was sie in Frankfurt kennen würden, hätten sie dem Klabunt zu verdanken. Ich zum Beispiel.
    Als ich im Januar 2000 aus Berlin nach Frankfurt kam, kannte ich nur wenige Leute, sie wohnten in Offenbach. Dort wohnte ich auch während der ersten drei Monate. Als ich eine Wohnung in Bornheim fand, erkundete ich die Gegend auf der Suche nach einem Lokal, das ich zu meiner Stammkneipe machen könnte. Ich probierte einige aus, auch im Nordend – und fand keine. In Kreuzberg hatte ich immer eine Stammkneipe. Solche Kneipen müssen fußläufig erreichbar sein, ein vernünftiges Preisleistungsverhältnis haben, die Musik darf nicht nerven und vorallem müssen Personal und Publikum nett sein. Man geht dort hin, in der Gewissheit irgend jemand zu treffen, den man kennt, und man geht dort hin, wenn man mal pleite ist und anschreiben lassen kann. Stammkneipen sind unerläßlich um sich irgendwo wohlzufühlen, ein Stück Heimat eben. Das fehlte mir während meiner ersten Jahre in Frankfurt.
    Bis im Jahre 2005 das Klabunt eröffnete. Zirka zwei Wochen nach der Eröffnung war ich mit einem Freund erstmals da. Es war ein schöner Sommertag, wir setzten uns draußen an einen Biertisch. Das Essen war reichlich und lecker, das Bier schmeckte auch. Wir waren sehr satt und verlangten zur Verdauung Wodka. Wodka sei nicht im Angebot, sagte der Wirt, er würde uns was anderes bringen, wir sollten gespannt sein. Er brachte, wie konnte es anders sein, Haselnussgeist von Dirker und noch was anderes, Himbeerbrand wahrscheinlich. Beides war köstlich. Der Haselnussgeist hat sich dann auch zum absoluten Bestseller des Klabunt entwickelt. Manche gingen dort nur hin um diesen Schnaps zu trinken. An diesem Abend war meine Suche nach einer Stammkneipe beendet.
    Es dauerte nicht lange und man begrüßte sich mit Namen. Auch kam man schnell mit anderen Gästen in Kontakt, aus einigen sind Freunde geworden.
    Und dann gab es noch die regelmäßigen Satirelesungen aus dem Umfeld der Titanic und darüber hinaus. Einige der Autoren, die im Klabunt gelesen haben, kamen am Sonntag um sich von Christa Brill, Andreas Kramer und ihrem Klabunt zu verabschieden – Eckard Henscheid, Oliver Maria Schmitt, Leo Fischer, Pit Knorr, Tilman Birr, Elis, Mark-Stefan Tietze, um nur ein paar zu nennen.
    Zu der einen oder anderen Veranstaltungen konnte ich organisatorisch beitragen, so bei einer Lesung mit Wolfram Koch, der aus Magnus Mills „Die Herren der Zäune“ las, einem meiner Lieblingsbücher. Später folgten dann Abende mit Detlef Kuhlbrodt, Wolfgang Welt und Andreas Maier.
    Am letzten Abend war es natürlich nochmal sehr voll, manche der Gäste waren wohl auch zum ersten Mal da. Sehr schnell war die Küche ausverkauft, dann war der Haselnussgeist und der Apfelwein alle, bald darauf auch das Schlappeseppel. Dann wurde halt getrunken, was noch da war.
    Jetzt ist es vorbei. Und doch gibt es keinen Grund zur Trauer. Der neue Ort ist bereits gefunden. Dort wird renoviert und im Mai soll die Eröffnung sein. Und bis es soweit ist, gehen wir halt woanders unseren Schoppen trinken.

    Nachtrag: Der Name der Gaststätte sorgte stets für Verwirrung, nicht zuletzt wegen der eigenwilligen Typographie. Er war einerseits ein Wortspiel aus KLAA und BUNT – was das Lokal trefflich charakterisierte – sowie eine Hommage an den Satiriker und Zeitgenossen Tucholskys, Klabund. An das „d“ in des Autors Synonym erinnerte ein kleiner Kringel im „t“ des Kneipennamens, wie am Außentransparent zu sehen war. Das führte zu allerlei Verwirrung bezüglich Aussprache und korrekter Schreibweise. Da wurde schon mal vom „Klabunat“ gesprochen oder „Klabundt“ und „Klabund“ geschrieben. Richtig ist und war: KLABUNT.

    Matthias Keller
    Wolfram Koch und Jürgen Lentes
    Wildbach Toni
    Wiglaf Droste
    Wahlparty
    Titanic Task Force mit Michael Ziegelwagner, Leo Fischer und Mark-Stefan Tietze
    Titanic Task Force mit Mark-Stefan Tietze, Leo Fischer und Michael Ziegelwagner
    Tilman Birr
    Thomas Gsella
    Thomas Fuchs
    Severin Groebner
    Severin Groebner
    Pit Knorr und Oliver Maria Schmitt
    Ralf Sotscheck
    Oliver Maria Schmitt
    Peter Zingler
    Michael Ziegelwagner
    Museumsuferfest
    Martin Betz
    Maskottchen
    Leo Fischer und Torsten Gaitzsch
    M.A. Numminen und Pedro Hietanen
    Joe Bauer
    Klaus Bittermann
    Gerhard Henschel
    Hans Zippert
    Franz Dobler
    Fußball-WM 2010
    Frank Schulz
    Dominik Bauer
    Christian Y Schmidt
    Detlef Kuhlbrodt
    Axel Marquart (gest. 31. Aug. 2011)
    Axel Marquart (gest. 31. Aug. 2011)
    Andreas Kramer
    Andreas Maier am 1. Nov. 2010

     

     

     

  • 19. März 2014

    März 20th, 2014

    Gestern fand erneut der MedienMittwoch statt, eine Veranstaltungsreihe an wechselnden Orten, die sich zum Ziel gesetzt hat „Networking und Gedankenaustausch zwischen Medienschaffenden, der Finanzwirtschaft und der Politik“ zu ermöglichen. Ich war zum zweiten Mal dabei. Der Anlaß für die gestrige Veranstaltung war das Lichter Filmfestival, das am kommenden Dienstag startet. Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto Humor und der MedienMittwoch diente als Auftaktveranstaltung.

    Leo Fischer liest u.a. aus den "Fröhlichen Hundegeschichten".
    Leo Fischer liest u.a. aus den „Fröhlichen Hundegeschichten“.

    So wurde zu Beginn von einem der Macher des Festivals eine kurze Einführung in das Filmfest gegeben. Als Gast war, getreu des Mottos, Leo Fischer geladen, der seit kurzem den Ehrentitel Ehemaliger Titanic-Chefredakteur tragen darf. Er sollte aus seinem neuen Buch lesen, das unter dem Titel „Fröhliche Hundegeschichten“ Titanic-Kolumnen Fischers versammelt und im Mai bei Eichborn erscheint. Es war vielleicht der Titel, der die zahlreichen Gäste in das Gebäude namens VAU an der Mainzer Landstraße lockte. Aber Fischer enttäuschte die Erwartungen, jedenfalls teilweise. Er las nämlich nicht nur seine Hunde-Kolumnen, die so fröhlich gar nicht sind, sondern auch andere Texte aus der Titanic oder dem Neuen Deutschland. Schnell wurde deutlich, daß sich dort nicht das typische, titanicaffine Publikum versammelt hatte und es dauerte etwa 20 Minuten bis die Ersten aufstanden und gingen. Als Fischer nach einer Stunde endete, hatte sich der hörsaal-ähnliche Raum deutlich geleert. Also alles richtig gemacht, Leo. Das verbliebene Publikum hatte seinen Spaß, ich auch.

    Auf das anschließende Networking habe ich verzichtet.

    In der Nacht von einer ehemaligen Kollegin geträumt, die anders aussah, von einem Opel Elektroauto, das anders aussah und einem Hund, der anders aussah.

  • 7.März 2014

    März 7th, 2014
    Apostoloff mit Lesezeichen
    Apostoloff mit Lesezeichen

    Als ich gestern Abend meine Regale durchforstete um die Bücher von Sybille Lewitscharoff auszusortieren, fand ich nur ein einziges – Apostoloff von 2009. Pong, ihr hochgelobtes Debut aus dem Jahr 1998, damals im Berlin Verlag erschienen, war nicht dabei. Freunde arbeiteten in dem Verlag und ich dachte, sie hätten mir ein Exemplar geschenkt. War aber nicht so. Statt dessen fand ich also Apostoloff in der zweiten Reihe des Regals mit den ungelesenen Büchern. Es ist ein Leseexemplar aus dem Suhrkamp Verlag. Zwischen den Seiten 26/27 steckte ein Lesezeichen. Weiter bin ich wohl nicht gekommen. Ich nutze gerne irgendwelche Eintrittskarten zu Museen, Konzerten etc. als Lesezeichen und lasse sie nach der Lektüre in den Büchern. Dann stelle ich mir vor, wie jemand nach meinem Ableben die Bücher durchblättert, Spuren von mir entdeckt und sich denkt: Aha, an diesem Tag war der also in dieser Ausstellung oder jenem Konzert.

    Das Lesezeichen aus dem Lewitscharoff-Roman ist eine Eintrittskarte für das Empire State Building vom 13. September 2008. Es war der letzte Tag einer aufregenden Woche, die ich mit einer Freundin in New York verbrachte. Um 12 Uhr 17 kauften wir für $19,- unsere Tickets. Wir mußten erst am frühen Abend am Flughafen sein, an verschiedenen Terminals. Sie flog nach München, ich nach Frankfurt. Die verbleibende Zeit nutzten wir für den Besuch des berühmten Gebäudes.

    Blick vom Empire State Building am 13. Sept. 2008
    Blick vom Empire State Building am 13. Sept. 2008

    Daß mir ausgerechnet an diesem Abend die Eintrittskarte wieder in die Hände fällt, ist ein schöner Zufall. Kurz zuvor hatte ich mich am Tresen des Klabunt mit einer flüchtigen Kneipenbekannten und dem Zapfer über unsere New-York-Reisen unterhalten. Wir sprachen über einen Pastrami-Laden, der unlängst im Bahnhofsviertel eröffnet hatte. Über der Frage, was Pastrami sei, landeten wir schließlich bei Bagels und so in NY. Meine Tresennachbarin mochte sie nicht, ich habe sie geliebt und regelmäßig im Cafe 28 auf der 5th Av. mit Creamcheese zum Frühstück gegessen. Und dann ließ mich das unsägliche Geschwätz von Frau Lewitscharoff das Empire-State-Ticket wiederfinden. Ich hätte nicht mehr gewußt, wo es ist. Apostoloff werde ich nachher in den offenen Bücherschrank stellen.

    Dieser 13. September 2008 war auch der Tag, an dem das Ende von Lehman Brothers besiegelt wurde. In den nächsten Wochen bebte die Welt und wir alle wurden zur Kasse gebeten, um Banken zu retten, die wir nicht zerstört hatten.

    Mein Ohrring war schon wieder weg. Ich habe ihn aber schnell wiedergefunden, an einem unerklärlichen Ort.

  • 6. März 2014

    März 6th, 2014

    Gegen 13 Uhr sollte ich in Wiesbaden sein. Ich hatte einen Termin mit meinem Verleger. Nun gut „mein Verleger“ klingt etwas hochtrabend, und dennoch stimmt es – auch wenn ich kein Autor bin. Wir hatten einige Dinge zu besprechen. Die passende U-Bahn sollte mich um 11 Uhr 33 zum Hauptbahnhof bringen. Wenn ich es vermeiden kann U-Bahn zu fahren, tu ich es. Daher hatte ich nicht bedacht, daß der RMV jetzt auch diese schicken Fahrkartenautomaten mit Touchscreen einsetzt.

    RMV Fahrkartenautomat
    RMV Fahrkartenautomat

    Für einen Menschen mit normalen feinmotorischen Fähigkeiten, also jemanden wie mich, ist es völlig ausgeschlossen, fehlerfrei seinen Zielbahnhof einzutippen. Es ist reine Glücksache, den richtigen Buchstaben zu treffen. Nach fünf bis sechs Versuchen war es mir gelungen „Wiesbaden“ in das entsprechende Feld einzugeben. Damit nicht genug. Der Apparat verlangte nähere Informationen, Hauptbahnhof beispielsweise. Es gibt auch ein Feld, in das man die zweistellige Nummer des Zielbahnhofs eingeben kann. Nur daß diese Nummer nirgends angezeigt wird. Als ich endlich, kurz vor dem Nervenzusammenbruch, mein Ziel fehlerfrei eingegeben hatte, stellte ich fest, daß ich nur einen 50-Euro-Schein hatte. Damit kann der Ticketautomat nichts anfangen. Dann fahre ich halt ohne Fahrschein, dachte ich mir und rannte die Rolltreppe runter in den Schacht – um die Rücklichter der 11:33 im Tunnel verschwinden zu sehen.

    Mein Verleger ist ein netter und verständnisvoller Mensch. Es sei egal, wenn ich eine Stunde später käme, sagte er mir am Telefon, er sei ohnehin da. Also ging ich einkaufen, nicht zuletzt um den Geldschein in automatentaugliche Einheiten zu wechseln.

    Das Gespräch verlief dann erwartet unkompliziert. Nach nur anderthalb Stunden waren die wichtigen Fragen geklärt und das weitere Vorgehen abgestimmt. Sehr zufrieden machte ich mich auf den Weg zum Wiesbadener Hauptbahnhof und versüßte mir die halbe Stunde Wartezeit mit einem Capuccino und einer Nußecke. Der Wiesbadener Hauptbahnhof ist ein schöner Kopfbahnhof, der auch über einen großen Fahrradparkplatz verfügt. Sowas hat der doppelt so große Frankfurter Bahnhof nicht.

    Der dortige Fahrkartenautomat bereitete mir keine Probleme, für mein Ziel Frankfurt/City mußte ich nur den Button oben links drücken und einen passenden Schein in den Schlitz schieben.

    Daß es einen entsprechenden Button für Wiesbaden auch bei den Frankfurter Automaten gibt, habe ich erst gemerkt, als ich wieder zurück war.

  • 28. Feb. 2014

    Februar 28th, 2014

    Gestern war ich seit langem mal wieder im Waldstadion, oder, wie es heute marketingmäßig heißt, der Commerzbank-Arena. Ein Bekannter von mir konnte seine Karte nicht nutzen. Die Eintracht spielte in der Europa League gegen den FC Porto. Ich hatte noch nie ein Europacup-Spiel im Stadion erlebt und die Chance genutzt. Das Hinspiel in Porto endete 2:2. Der Mannschaft reichte also ein 0:0 oder ein 1:1 zum Weiterkommen – besser noch ein Sieg. Das Stadion war ausverkauft, die Stimmung prächtig. Die Frankfurter spielten gut, sehr gut und hatten zahlreiche Chancen. Und doch hat es nicht gereicht. Kurz vor Schluß führten sie 3:2 und dann kam die verflixte 86. Minute. Auf meine Bemerkung, gleich käme die 86. Minute, schrie mich der eifrige Fan hinter mir an: „Wenn du noch einmal 86. Minute sagst, beiß ich dir ein Ohr ab“. In der laufenden Saison hatte sich die Mannschaft in dieser Minute schon einige spielentscheidende Tore eingefangen. So war es auch gestern. Ein schneller Vorstoß der Portugiesen und schon stand es 3:3. Das war das Aus für Eintracht Frankfurt. In der Kneipe anschließend gab es kein anderes Thema als dieses unglückliche Ausscheiden.

    Eintracht Choreographie
    Eintracht Choreographie

    Aber so ganz wohl war mir nicht im Stadion, obwohl ich einen sehr guten – und teuren – Platz hatte. Wenn fast 50000 Menschen die selben Lieder singen, die selben Rituale vollführen, wenn so etwas wie eine Massenhysterie entsteht, wird mir mulmig. Daher werde ich sicherlich nicht regelmäßig ins Eintracht-Stadion gehen. Dann doch lieber zum Lokalrivalen FSV, dem sympatischen Club aus Frankfurt-Bornheim. Da ist alles kleiner und freundlicher. Zumal ich deren Stadion in gerade mal 10 Minuten zu Fuß erreiche.

    Als Kind war ich allerdings oft und regelmäßig in der damals noch Waldstadion genannten Sportarena. Das Stadion von damals hatte allerdings kaum was gemein mit den heutigen Fußballtempeln. Nur die Haupttribüne war überdacht und es gab mehr Steh- als Sitzplätze. Nach dem Abpfiff konnte man noch den Platz stürmen. Da gab es noch keine Zäune.

    Am Nachmittag war ich in meinem ehemaligen Büro, ich mußte etwas erledigen. Dem voraus ging ein unangenehmer Mailwechsel mit meinem früheren Kollegen, Partner und Auftraggeber. Anfang des Jahres haben er und seine Frau mir mitgeteilt, daß sie ab sofort auf meine Mitarbeit verzichten werden. Jetzt werde ich behandelt, als hätte ich das Familiensilber geklaut. Nun geht es, naturgemäß, um Geld. Ohne anwaltlichen Beistand wird sich das nicht lösen lassen. Sehr unerfreulich das alles.

    Der Ohrring ist wieder da.

  • 24. Feb. 2014

    Februar 24th, 2014

    Das Wochenende ist vorüber. Da ich zur Zeit hauptsächlich zuhause arbeite, ist mir das ziemlich egal. Seit einiger Zeit komme ich auch nicht mehr zum Tatortschauen am Sonntagabend. An den letzten Sonntagen war ich verhindert, und das wird wahrscheinlich auch weiterhin so bleiben. Schade finde ich das schon. Der Sonntagabend mit Tatort war eines der letzten Rituale, die ich mir bewahrt hatte. Vorallem seit ich angefangen hatte, auch zum Tatort zu twittern, war es ein besonderes Vergnügen. Nun gut, manchmal sind die Umstände nicht so, wie ich sie gerne hätte.

    Ebenfalls ausgefallen ist eine Radtour nach Darmstadt am Samstag. Dort wohnt ein alter Freund von mir. Wir kennen uns seit über 30 Jahren. In Berlin waren wir Nachbarn, einige Zeit lang gar unzertrennlich. Er lebt schon seit vielen Jahren in Darmstadt, länger als ich in Frankfurt. Aber im Laufe der Jahre ist unser Kontakt seltener geworden, vielleicht einzwei Mal im Jahr haben wir uns getroffen. Vor einigen Tagen stand er allerdings unangekündigt vor meiner Tür. Er hatte in Frankfurt zu tun und eine halbe Stunde Zeit. Wir verabredeten, daß ich ihn an diesem Wochenende in Darmstadt besuchen käme, auch um seine neue Wohnung zu besichtigen, die er im letzten Jahr gekauft hatte. Ich beschloß, mit dem Rad zu fahren und freute mich darauf, endlich mal wieder eine etwas längere Strecke zu fahren.

    Gute Frage.
    Gute Frage.

    Gerade als ich aufbrechen wollte, rief der Freund an und sagte, er sei krank. Wir verschoben den Termin auf Mitte März. Ich blickte plötzlich in ein Loch, fragte mich, was ich nun mit dem Wochenende anfangen solle. Mir fiel nichts ein, also machte ich einen Spaziergang zum Wochenmarkt auf der Konstablerwache, Bärlauchbratwurst essen und Apfelwein trinken. Auf dem Weg fotografierte ich Streetart und Graffiti. Zwei Stunden später war ich wieder zuhause.

    Die Olympischen Winterspiele sind vorbei. Außer einer halben Stunde Skispringen, habe ich nichts davon mitgekriegt. Ich wollte einen Film im TV schauen und dessen Beginn verschob sich wegen eben jenes Skispringens. Das einzige Ereignis bei diesen Spielen, daß mir besonders aufgefallen ist, hat auch mit Skispringen zu tun. Die erste Gewinnerin des Frauen-Skispringens stammt aus Waldstetten, einem kleinem Ort in der Nähe von Schwäbisch Gmünd. Dort habe ich vor sehr vielen Jahren, noch mit meinen Eltern und meinem Bruder, gewohnt. Wir hatten einen schönen Bungalow mit großem Garten, direkt neben dem örtlichen Freibad. Im Sommer sind wir öfter nachts über den Zaun geklettert um im leeren Bad zu schwimmen. Ich ging in Schwäbisch Gmünd zur Schule. Dort fuhr ich mit einem Mofa hin. Als es kaputt ging nahm ich das Rad. Es war nicht die schlechteste Zeit in meinem Leben. Sie wurde beendet, als meine Eltern und also auch ich, nach Bayern umgezogen sind. Das war der Beginn meines einjährigen Kampfes, um frühzeitig von zuhause ausziehen zu können.

    Heute Abend gastiert Martin Betz im Klabunt. Es ist die letzte Veranstaltung im „Satire-Landgasthof“, dem ich soviel zu verdanken habe. Wahrscheinlich noch im März wird das kleine Fachwerk-Gebäude abgerissen, um einer Tiefgarage, nebst Einkaufszentrum und Edelapartments zu weichen. Zum Glück gibt es einen Nachfolgeort.

    Habe heute am Buch weitergarbeitet, nicht an dem, vom dem ich letztens berichtete. Es wird eine schlichte Anthologie, mal wieder. Ich muß Texte zusammen suchen.

    Beim Schreiben dieses Beitrags habe ich mir in Gedanken meinen Ohrring aus dem Ohr gezwirbelt und finde ihn nun nicht mehr. Er wurde mir vor vielen vielen Jahren  in eben jenem Schwäbisch Gmünd, von dem oben die Rede war, von einer befreundeten Goldschmiedin handgefertigt.

  • 19. Feb. 2014

    Februar 19th, 2014

    Das Buch an dem ich zur Zeit mit Jürgen Roth arbeite, soll im August/September erscheinen. Es wird ein Sammelband mit Originalbeiträgen zu einem regionalen Thema. Mehr soll noch nicht verraten werden. Eine ähnliche Idee wollte ich schon vor zwanzig Jahren mit einem Freund in Berlin verwirklichen. Wir hatten auch einen Verlag, der Interesse zeigte. Das Projekt ist letztlich daran gescheitert, daß dieser Freund völlig unerwartet Vater wurde.

    Goetheplatz mit Roßmarkt
    Goetheplatz mit Roßmarkt

    Alle Versuche, ein ähnliches Buch in Frankfurt zu machen, sind an der Angst oder fehlendem Interesse von Frankfurter Verlagen gescheitert. Jetzt endlich hat sich ein Verlag bereit erklärt, das Buch zu publizieren und mit dem Autor und Journalist Jürgen Roth habe ich den perfekten Mitherausgeber. Ohne ihn würde alles nicht funktionieren. Wir haben jede Menge namhafter Autorinnen und Autoren, journalistischer, kabarettistischer, satirischer und literarischer Herkunft gefunden, die sich mit Freude beteiligen, obwohl das Honorar bescheiden ist. Offensichtlich haben wir ein Thema, das vielen ein Anliegen ist. Wir kommen gut voran und Ende März ist Deadline. Die ersten Beiträge sind auch bereits eingetroffen.

    Meiner noch nicht. Ich habe noch nicht mal eine Idee, oder besser, ich habe mehrere Ideen, allesamt unausgegoren. Nun bin der Laiendarsteller unter all diesen Edelfedern, aber ich will die Chance nutzen, bei diesem illustren Kreis dabei zu sein. Um mir ein bißchen Inspiration zu holen, bin ich heute mit dem Rad ein wenig durch die Stadt gefahren und habe fotografiert. Langsam konkretisiert sich ein Thema. Mal sehen. Ich bin ja kein Schnellschreiber, wie gesagt, Laie.

    Habe heute die zweite Nacht in Folge schlecht geschlafen. Das hat die Produktivität doch erheblich behindert.

  • 17. Feb. 2014

    Februar 17th, 2014

    Es gibt diese Tage, an denen nichts gelingen will. Heute ist so ein Tag. Nichts von dem, was ich mir vorgenommen hatte, ist erledigt. Alles was ich heute geschafft habe, ist eine Pinterest-Seite für einen Verlag anzulegen und dort ein paar Pinwände einzurichten. Diese sind freilich noch nicht bestückt. Natürlich hat es unerwartete und unerklärliche Schwierigkeiten beim Einrichten der Seite gegeben. Sowas passiert an solchen Tagen. Es war nicht das erste Mal, daß ich eine Pinterest-Seite angelegt habe, aber so kompliziert war es noch nie.

    Bauplatz an der Berger Straße
    Bauplatz an der Berger Straße

    Die Bagger kommen dem Klabunt in der Berger Straße immer näher. Das marode Gebäude auf dem Nachbargrundstück ist schon so gut wie abgerissen und es wird wohl nicht mehr lange dauern bis die Abrissbirne dem legendären Lokal auf die Pelle rückt. Angekündigt ist das allerdings schon seit zweidrei Jahren. Dann kommt auf das Gelände eine schicke Tiefgarage (auf daß es zu noch mehr Verkehr in Bornheim kommt), obendrauf ein Einkaufszentrum (wahrscheinlich mit den üblichen Verdächtigen Starbucks, HM, McDonalds etc. Was halt in so einem Einkaufszentrum in der Regel zu finden ist). Gekrönt wird das Ganze dann mit schicken Apartements. Also lauter Zeug, das wir in Bornheim dringend brauchen. Der Eigentümer und Bauherr ist der stadtweit bekannte Investor Heinrich Gaumer, der über Jahre einen Neubau an Stelle des ehemaligen Kaufhofs in der Leipziger Straße in Bockenheim leerstehen ließ.

    Immerhin das Wetter war schön heute. Ich hätte laufen sollen, aber nicht mal dazu hat es gereicht. Wie gut, daß solche Tage auch vorbei gehen.

  • 16. Feb. 2014

    Februar 16th, 2014

    Am Freitag war ich seit langem mal wieder auf einer Party. Eine Kollegin vom Fischer-Verlag feierte Geburtstag. Wir kennen uns nicht sonderlich gut, hatten uns auch ein paar Jahre ganz aus den Augen verloren. In den letzten Monaten sind wir uns aber immer wieder in der gemeinsamen Stammkneipe begegnet. Sie ist dort auch immer regelmäßig zu Gast wenn die Eintracht spielt. Die Spiele werden  übertragen. Beim 3:0 der Eintracht gegen Braunschweig saßen wir auch zusammen vorm Fernseher und bei dieser Gelegenheit lud sie mich ein, nicht ohne zu erwähnen, daß ich sicher einige der Gäste kennen werde. So war es dann auch. Es kam aber noch besser.

    Der DJ kam mit Tablet
    Der DJ kam mit Tablet

    Die Party sollte bereits um 18 Uhr losgehen, ungewöhnlich früh. Ich ging gegen 20 Uhr hin. Es gab reichlich zu essen und trinken. Der Wein war prima. Einige Gäste waren auch schon da, aber ich kannte fast niemand. Eine Gruppe unterhielt sich übers Fahrradfahren, ich gesellte mich dazu. Da konnte ich was beitragen. Als im Laufe der Zeit immer mehr Leute kamen, kannte ich dann immer mehr. Es waren alles Verlagsleute, von Fischer, von KiWi, und von Suhrkamp. Das war die größte Überraschung. Die Gastgeberin ist mit einer Kollegin vom Suhrkamp-Verlag befreundet, die dort erst angefangen hatte als ich den Verlag bereits verlassen hatte. Wir kannten uns nur vom Standaufbau bei der Frankfurter Buchmesse, bei dem ich in den letzten Jahren immer geholfen hatte. Viel miteinander geredet haben wir da aber nicht. An diesem Abend sollte das anders werden, intensiv und ungewohnt vertraut – als würden wir uns schon ewig kennen. Ein bißchen habe ich bedauert, nie mit dieser Kollegin zusammengearbeitet zu haben. Ein weiteres schönes Gespräch ergab sich mit einer Kollegin von KiWi, mit der ich dort ebenfalls nicht gerechnet hatte. Es stellte sich heraus, daß sie in den Achtziger Jahren mit der Gastgeberin in Frankfurt zusammengelebt hatte. Die Verlagswelt ist klein und überschaubar. Irgendwann ging ich mit dem Gefühl nach hause, einen schönen und intensiven Abend verbracht zu haben.

    Die Berlinale ist vorbei, endlich! Es ist für mich eine Qual, ständig auf allen Kanälen die Berichte über das Festival zu hören, ohne dabei sein zu können. Viele Jahre war ich dabei, habe eine Woche Urlaub genommen und mich in die Parallelwelt Kino fallen lassen. Oft mit Freikarten, die mir Freunde aus der Branche besorgt hatten. So gestaltete sich mein Berlinale-Programm meist nach dem Zufallsprinzip. Auf diese Art habe ich tolle Filme gesehen, die ich mir freiwillig, also gegen Eintritt, vielleicht nicht angeschaut hätte, die nie den Weg ins Kino oder Fernsehen gefunden haben.

    In Frankfurt wechseln sich Sonne und Regen ab. Auf Facebook werden reichlich Fotos mit Regenbogen geteilt.

    Heute Abend bin ich Standby-Kellner.

  • 14. Feb. 2014

    Februar 14th, 2014

    Vor einiger Zeit wurde ich eingeladen an einer regelmäßigen Kickerrunde teilzunehmen. Gestern war ich zum  zweiten Mal dabei. Der Kicker steht im Keller eines schönen Hauses und die Gruppe trifft sich jeden Donnerstag – und das bereits seit 35 Jahren! Es sind alte Freunde, die an diesem Tisch schon vor 40 Jahren in einer Frankfurter Kneipe gespielt haben. Als ein neuer Wirt das Lokal übernahm, wollte er den Kicker entsorgen. Die Freunde haben ihn gerettet und jetzt ist er eben in diesem Keller gelandet. Dort ist alles perfekt eingerichtet, der Tisch ist festgeschraubt und zwei Lampen darüber sorgen für perfekte Beleuchtung. Es gibt einen Kühlschrank und eine kleine Stereoanlage.

    KickerIm Laufe all der Jahre haben sich in der Gruppe eigene Codes und Rituale ausgebildet. So muß man sich beispielsweise vor jedem Spiel gegenseitig abklatschen und einen Tip auf den Ausgang des Spiels abgeben. Wenn das getippte Ergebnis eintritt, gibt das einen Punkt. Überhaupt hat sich ein Regelwerk entwickelt, daß für den Novizen nicht auf Anhieb nachvollziehbar ist. Es gibt drei besondere Bälle, die der Mannschaft Sonderpunkte einbringen (die sog. Big Points), die mit diesen Bällen Tore schießen. Einer dieser Bälle, alle haben unterschiedliches Aussehen und Qualität, darf irgendwann im Spiel gespielt eingesetzt werden, die zwei anderen erst als letzte und zwar in einer festgelegten Reihenfolge. Auch vor diesen letzten zwei Bällen muß man sein Gegenüber am Tisch abklatschen. Diese Bälle haben selbstverständlich auch eigene Namen, die ich aber schon wieder vergessen habe. Aus all diesen Faktoren – Ergebnis, Tip, Big-Points – ergibt sich dann die Punktewertung. Es kann also sein, daß die Spieler einer siegreichen Mannschaft unterschiedliche Punktzahl bekommen, z.B. wenn einer das Ergebnis richtig verausgesagt hatte, der andere aber nicht. Es gibt jemand, der die Punkte notiert und den Überblick hat. Er weiß, wer wann mit wem gegen wen spielt und auf welcher Seite des Tisches, und wer aussetzt. Bewundernswert.

    Jeder spielt mit jedem, immer mit einer Hin- und Rückrunde. Dann müssen auch die Seiten gewechselt werden. Die einwerfende Mannschaft darf beim „Einwurf“ den Ball so manipulieren, daß er bei ihm selbst landet. Ein Trick, der mir nur selten gelungen ist. Überhaupt habe ich gegen die geübten Kicker bislang keine Chance. Ich bin zu langsam und zu ungenau, nur selten sind mir Tore gelungen, obwohl ich meist vorne kurbele. Deshalb wurden auch alle Spiele an denen ich mitwirkte, bis auf drei, verloren. Zum Glück waren die Jungs verständnisvoll. Und irgendwann werde auch ich mich an diesen Tisch gewöhnt haben.

    Bin heute Abend auf eine Geburtstagsparty eingeladen. Es werden viele Verlagsleute da sein.

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